Unbekannter Barber
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Orchesterwerke Vol. 1 (Audio CD) Hierzulande ist eigentlich nur ein Werk des Amerikaners Samuel Barber (1910-1981) wirklich bekannt: Das Adagio für Streicher dudelt dafür so oft über alle Klassikkanäle, dass man es bisweilen nicht mehr hören mag. Barber kann allerdings herzlich wenig dafür - und hat auch anderes geschaffen, wie diese CD vorzüglich demonstriert. Sie ist die erste Tranche einer anscheinend auf 3 oder 4 CDs angelegten Einspielung der gesamten Orchesterwerke (da wird früher oder später das Adagio auch nicht fehlen....) der Firma Naxos - es ist ein Höhepunkt des jüngeren Katalogs dieser Firma geworden.

Die amerikanische Dirigentin (!) Marin Alsop hat sich mit dem Royal Scottish National Orchestra vor allem Barbers zwei Sinfonien angenommen - von denen mich die zweite, die Barber selbst lieber vernichtet hätte (es wäre ihm fast gelungen), eher anspricht. Es ist ein Werk, dass deutliche Züge von Barbers Kriegserfahrung trägt, kraftvoll instrumentiert und doch auch mit wehmütig-lyrischen Passagen ausgestattet (der Mittelsatz kann zu Tränen rühren). Es ist sicher auch eins der modernsten Werke Barbers, der Zeit seines Lebens der Tonalität treu blieb, aber nicht in einem diffusen Spätromantikverständnis komponierte. Bisweilen erinnert die Musik an Sibelius, und an ihren stärksten Stellen an Schostakowitsch - ohne dass sie ganz die Qualität des Russen erreichen würde. Dennoch, gerade zwischen den bisweilen verzweifelten Versuchen der Repertoireerweiterung ist diese Musik das Anhören wert.

Das Orchester agiert unter Alsop auf höchstem Niveau, allein an der ein oder anderen Stelle hätte man sich mehr Biss gewünscht, mehr Sarkasmus auch - was aber auch in Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis nur ein kleiner Einwand ist, der den grandiosen Gesamteindruck nicht schmälern kann. Besonders gelungen ist der Beginn des "First Essay für Orchestra" mit seinem fast bardenhaft erzählenden Tonfall. Aufnahmetechnisch dürfte diese CD höchsten Ansprüchen ebenfalls genügen, bisweilen erscheint mir das Klangbild allerdings fast zu direkt. Die Aufnahme lässt für die folgenden der Reihe allerdings hervorragendes hoffen - und den Namen der Dirigentin sollte man sich sicher merken!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 29. November 2002
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