Emmi Bonhoeffer: Essay, Gespräch, Erinnerung


 
Eine bewundernswerte Frau berichtet aus ihrem Leben
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(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Emmi Bonhoeffer: Essay, Gespräch, Erinnerung (Gebundene Ausgabe) Heute, nach 60 Jahren, wird überall, in allen Medien, an allen Ecken und Kanten aufgearbeitet. Es interessiert und es fasziniert, wie die Menschen damals gelebt und gedacht haben. Man denkt diese Zeit der Schwarz-Weiß-Bilder, das Dritte Reich, die Konzentrationslager, der Nürnberger Prozess das alles ist lange her. Aber die Folgen dieser Zeit wirken noch drei, vier Generationen nach. Und dieses Buch ist so beeindruckend, weil Emmi Bonhoeffer eine so offene und gerade Haltung einnimmt, die eigentlich all dem widerspricht was wir uns unseren Eltern hören. Wir haben das alles nicht gewusst. Wer hören wollte der hätte es vielleicht auch wissen müssen. Die Autorin, war nicht hoch gebildet, hatte vielleicht durch ihren Mann und ihren Schwager weitgehende Informationen, und sie hatte einen Anker, was die Vergangenheit betraf, wo sie herkam, wo sie aufwuchs. Sie konnte nichts beirren, sie war immer einen mutige Frau, nach vorn schauend, nie jammernd, ihren preußischen Tugenden treu und tief im Glauben verwurzelt.

Ihr Mann der Jurist Klaus Bonhoeffer hinterließ seine Frau und drei Kinder als er vor 60 Jahren hingerichtet wurde. Er war Mitglied der Widerstandsbewegung. Emmi Bonhoeffer berichtet in den bisher noch nicht bekannten Tagebuchaufzeichnungen vom Frühjahr, wie sie die Hitlerzeit erlebt hat, wie sie mit Mut und Selbstbeherrschung ihrem Schicksal gegenübertrat, wie sie stets ihren Mann aufopferungsvoll unterstützt hat.

Nach dem Krieg hat sie dann sofort wieder anderen Menschen geholfen, die sich in materieller oder psychischer Not befanden. Sie hat die Zeugen, die im Auschwitz Prozess aussagen mussten, seelisch betreut.

Sie entwirft in diesem Buch ein Portrait ihres Mannes und berichtet über die Vorträge, die sie noch bis ins hohe Alter in Potsdam gehalten hat. Sie war als preußische Frau Potsdam sehr verbunden, dort starb sie 1991, hoch betagt.

Sehr beeindruckend ist der Abschiedsbrief, den Klaus Bonhoeffer nach seiner Verurteilung zum Tode, an seine Kinder geschrieben hat. Der Text kommt natürlich aus einer anderen Zeit, aber man stellt mit Hochachtung und Ergriffenheit fest, dass dieser Mann nicht mit seinem Schicksal haderte, das war ihm selbst in diesem Augenblick nicht so wichtig, nein er machte sich vielmehr tief greifende Gedanken wie er die Zukunft seiner Kinder mit begleitenden Worten und Ratschlägen positiv mit beeinflussen und gestalten konnte.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. April 2005
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